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Interview mit Rufus Beck, der
Harry Potter Stimme
Dieses Interview führte
AMAZON.DE mit Rufus Beck. Rufus Beck liest alle deutschen Harry Potter Hörbücher
und hat damit großen Erfolg. Die Harry Potter Audiobooks wurden
bis jetzt alle mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet...
Frage: J.K. Rowling
hat bei Kindern und Erwachsenen einen Leseboom ausgelöst. Entzaubert die
Verfilmung den Mythos Harry Potter?
Rufus Beck: Die Bücher von Erich Kästner wurden alle verfilmt -- und
trotzdem wird Kästner bis heute gelesen. Aber bei Kästner gab es nur den Film.
Bei Harry Potter wird es auch Unterhosen, Zahnbürsten, Comicfiguren und Spiele
geben. Und ein Konzern (Warner Brothers, die Red.) wird versuchen, das
Bild von Harry Potter festzulegen. Bei meinen Hörkassetten entscheidet jeder
selbst, ob Hagrid eine Glatze oder einen Bart hat, ob er vom Land kommt oder ein
Seemann ist. Durch den Film wird alles vorgegeben, die Fantasie wird
zerschlagen. Wenn sich Joanne Rowling einer schnellen Verfilmung verweigert
hätte -- was wäre das für ein Schub gewesen: Alle Vorstellungen zu Harry Potter
hätten nur in unseren Köpfen existiert. Ich bin sicher, dass sie ihre
Entscheidung bereut und jetzt versucht, das Beste daraus zu machen. Schade, denn
es ist tatsächlich ein Mythos, etwas Einmaliges, dass so viele Menschen in so
vielen Kulturen gleichzeitig dieselbe Geschichte lesen.
Frage: Werden Sie bei
der deutschen Version des Films eine Figur synchronisieren?
Beck: Mal sehen: Ich habe den Trailer synchronisiert, und ich habe
Kontakt zu Warner Brothers. Auf alle Fälle würde ich Hagrid oder
Dumbledore nur so sprechen, wie ich sie für die Hörbücher erfunden habe -- oder
gar nicht.
Frage: Warum
faszinieren J.K. Rowlings Geschichten Kinder und Erwachsene?
Beck: Dazu kann ich nur Vermutungen anstellen: Alles, was Joanne
Rowling getan hat, widerspricht den Regeln von Kinderbüchern: Es ist zu lang,
die Figuren werden jedes Jahr älter, das Jetzt vermischt sich mit einer fast
mittelalterlichen Welt im Internat Hogwarts. Und der Held ist ein Held wider
Willen. Harry Potter ist also ein Buch, das gegen den Zeitgeist geschrieben ist.
Es geht nicht um Computer oder eine groovige Straßengang -- es geht um Mythen
und Legenden. Es gibt Zauberer, aber das Zauberministerium sorgt dafür, dass wir
Muggels den Zauber, denn wir erkennen, sofort wieder vergessen. Wie bei Wim
Wenders Film
Der
Himmel über Berlin: Jeder hat Engel, wir sehen sie aber nicht -- und
vielleicht fasziniert das gerade Erwachsene.
Frage: Es gibt vor
allem in den USA Stimmen, die Harry Potter als "heidnisch" herabwürdigen wollen.
Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?
Beck: Für die katholische Kirche haben Tiere keine Seele. Der kleine
Teddybär Winnie Puh beispielsweise spricht und bewegt sich wie ein Mensch, hat
eine Seele. Demnach wäre Winnie Puh auch heidnisch. Also, wer so etwas sagt, hat
vermutlich keine eigenen Kinder. Kinder brauchen auch Unerklärliches, man darf
sie nicht unterschätzen. Gegen das, was bei Computerspielen passiert, ist ja
selbst der Tod von Cedric (in Harry Potter,
Band
4, d. Red.) pippifax.
Frage: Welcher
Harry-Potter-Band gefällt Ihnen persönlich am besten?
Beck: Eigentlich finde ich den
ersten Band am interessantesten. Alles wird zum ersten Mal genannt, ist
jungfräulich, hat feinen Humor und wird knapp auf den Punkt gebracht: Rowling
gibt eine kurze Einführung, stellt Harrys Familiengeschichte und das Internat
Hogwarts vor, und dann beginnt schon das Abenteuer. Bei den späteren Bänden wird
viel wiederholt -- nach meinem Geschmack etwas zu viel sogar.
Frage: Letztes Jahr
waren Sie mit J.K. Rowling unterwegs und haben gemeinsam Harry Potter
vorgelesen. Welchen Eindruck haben Sie von ihr?
Beck: Ich hab' in ihr eine zarte, attraktive Frau gesehen, die scheu
ist und britisches Understatement besitzt. Obwohl sie eine millionenschwere
Bestsellerautorin ist, hat sie keine Starallüren. Sie ist sehr empfindsam, sie
hat ihr Leben lang geschrieben und mit Harry Potter eine Erfüllung gefunden: In
vielen ihrer Figuren steckt etwas von ihrer Person. Ich habe zu ihr gesagt:
"Joanne, Du bist nur Dir selbst gegenüber verantwortlich und musst nichts allein
wegen der Leser machen." Und ich wünsche mir, dass sie sich nicht zu sehr von
Verlagen, Managern und Produzenten beeinflussen lässt.
Frage: Es wird
insgesamt sieben Bände von Harry Potter geben, und es heißt, Frau Rowling hat
den Schluss von Band 7 bereits in einem Banksafe in England deponiert. Wie wird
Ihrer Meinung nach die Geschichte enden?
Beck: Joanne Rowling hat schon immer gesagt, dass sie die Struktur
aller sieben Bände -- also Harrys sieben Schuljahre -- im Kopf hat. Ich glaube
aber nicht, dass es einen fertigen Schluss gibt. Ich wünsche Joanne Rowling,
dass sie es schafft, nach den sieben Potter-Bänden eine andere Art von Literatur
zu schreiben und dass die jugendlichen Leser mit der Lektüre mitwachsen werden.
Frage: Herr Beck, danke für dieses
Gespräch und weiterhin viel Erfolg.
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