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Mögt ihr Horrorbücher oder Thriller???
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 Betreff des Beitrags: Das Tal
BeitragVerfasst: 05.07.2011, 17:22 
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Registriert: 16.01.2011, 18:52
Beiträge: 1502
Wohnort: hoffentlich iwann bei meinem freund*-*
es gibt bisjetzt 4 bücher und alle sind thriller mit horror gemischt :mrgreen:
ist echt nur was für echte gruse-freaks :mrgreen:

das ist der erst bamnd
Leseprobe Teil 1 (Das Tal – Das Spiel)
"Du bist Julia?" Ein hochgewachsener, schlanker Junge stand in der Tür zu dem Zimmer, das direkt unter ihrem liegen musste. Die hellbraunen kurzen Haare ließen ihn im Halbdunkel seltsam ernst aussehen. Er war der Einzige, der vollständig angezogen war. Schwarze Hose, schwarze Turnschuhe und schwarzer Pulli. Sogar einen Gürtel trug er. "Ich bin David. Irgendwas stimmt mit deinem Bruder nicht. Ich habe versucht, ihn zu wecken, aber je mehr ich auf ihn einrede, desto panischer wird er. Er wacht nicht auf, aber er lässt sich auch nicht anfassen." "Ja." Es war die einzige Antwort, die sie geben konnte. "Ist das normal?", hörte sie hinter sich jemanden fragen, doch sie wandte sich nicht um. Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Sie musste Robert beruhigen - und damit zum Schweigen bringen. Hatte er irgendetwas im Schlaf gesagt? Was niemand wissen sollte, durfte? Sie riss sich zusammen und schob sich an David vorbei. "Schon gut, ich kümmere mich um ihn. Und..." Sie deutete nach hinten. "ich brauche keine Zuschauer." "Hat er öfter solche Albträume?" David ignorierte ihre Bitte. Für einen Moment vergaß Julia ihre Everybody's-Darling-Maske. "Es ist einfach nur ein Albtraum. Na und?", fauchte sie. "Kannst du jetzt endlich dafür sorgen, dass die alle hier verschwinden?" "Hey, ich will ja nur helfen!" David hob die Hände. "Du musst ihm nicht helfen! Wenn er aufwacht, wird er darüber lachen." Sie versuchte, ihre Stimme harmlos klingen zu lassen und betrat Roberts Zimmer, während ihr durch den Kopf schoss: wird er nicht.

Das Zimmer ihres Bruders war völlig identisch mit ihrem ein Stockwerk höher. Wie sie hatte auch Robert seine Koffer nicht ausgepackt. Ein leerer Bilderrahmen stand auf seinem Nachttisch. Julia fühlte einen Stich in ihrem Herzen. Dann wagte sie endlich einen Blick auf ihren Bruder. Sein dünner Körper sah in dem karierten Schlafanzug aus, als befände er sich im Hungerstreik. Er lag auf dem Rücken und starrte regungslos an die hässliche Holzdecke. Nein, er starrte natürlich nicht, denn er hatte ja die Augen geschlossen, aber was, wenn die Augen hinter den Lidern geöffnet waren? Es überlief sie eiskalt bei dieser Vorstellung. Etwas Schweres löste sich und fiel auf ihre Brust, wo es für immer liegen bleiben würde. Sie atmete tief durch. Man hatte versucht, ihr Entspannungsübungen beizubringen, mit denen sie die Panik vertreiben konnte. Atemübungen. Konzentrationsspiele. Lächerlich. Einfach lächerlich. Wie sollte man mit Atemübungen das vertreiben, was Debbie Nachtwesen nannte? "Robert", flüsterte sie. "Wach auf. Ich bin's!" Sie streckte die Finger aus, berührte im Dunkeln die Hand ihres Bruders, und in dem Moment, als Robert die Augen aufschlug, sprang mit einem Surren das Licht wieder an.


das der zweite
Leseprobe: Das Tal – Die Katastrophe
Durch Katies Herz ging ein Stromschlag. Gut – biologisch betrachtet war es irgendetwas anderes –, aber genau so fühlte es sich an. Dieser kurze, wirklich kurze Moment, wenn das wichtigste Organ des Menschen, das ihn am Leben erhält, den Rhythmus verliert. Und das alles nur wegen dieser elenden Erinnerungen. Scheiße! Sie war doch sowieso für ihre Eltern gestorben! Anders, Katie, du musst umgekehrt denken. Sie sind für dich gestorben! Für einen Moment fühlte sie sich hundeelend. Noch immer klebte sie mit gegrätschten Beinen im Steinhang. Sie biss die Zähne zusammen und spürte, wie ihre schweißnassen Finger abrutschten. Ihre Knie zitterten. Hatte sie dieser Gedanke an ihre Eltern, dieser Stromschlag aus der Konzentration gebracht? Verdammt, sie wusste doch, dass es sie das Leben kosten konnte. Aber dann begriff sie, dass es etwas anderes gewesen war, was sie aufgeschreckt hatte. Und im nächsten Moment hörte sie es auch schon.

Steinschlag!

Direkt von oben! Ihre Finger krallten sich in die Ritze in der Wand. Ihre Füße klebten am Fels, sie wagte es nicht, auch nur eine Hand loszulassen. Ein Stein pfiff an ihr vorbei. Und instinktiv zog sie den Kopf nach vorne. Der Helm! Sie hatte ihn im Zimmer gelassen, ihn einfach vergessen. Ein kurzer Blick die Wand hinauf. Die Morgensonne mit ihrem hellen Licht malte einen Schatten auf die Felsen. Die Morgensonne. Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte sie auf in Katies Augen. Ihr Kopf stieß gegen den Felsen.

Verflucht! Sie hatte verschlafen! Obwohl Chris versprochen hatte, den Wecker seines Handys auf vier Uhr zu stellen. Und hätte er nicht im Schlaf gesprochen und sich von einer Seite auf die andere geworfen, würde sie immer noch neben ihm liegen. Leise zog Julia die Tür des Apartments 113 hinter sich zu und holte tief Luft, um anschließend auf Zehenspitzen die Treppe hochzuschleichen. Wenn man sie erwischte und herauskäme, dass sie nachts bei Chris schlief, würde sie Ärger bekommen. Verdammt viel Ärger! Julia grinste innerlich: Huch, da bekam sie aber echt Schiss! Ärger – das war ein Wort, das in ihrem Wortschatz eigentlich nicht vorkam. Denn Ärger war nicht schlimmer als ein Fleck auf einem T-Shirt, ein abgetretener Schuhabsatz, nicht mehr als ein Kratzer im Lack ihres Alltags. Wow! Sie war ja richtig gut drauf, heute Morgen. Die letzten Sätze sollte sie sich merken für Mrs Hill, die nicht nur englische Literatur am College unterrichtete, sondern auch Creative-Writing-Kurse gab.

Im zweiten Stockwerk angelangt, stieß Julia leise die Glastür auf, die das Treppenhaus von dem langen Korridor trennte, in denen sich die Apartments der Mädchen aus dem ersten Jahr aneinanderreihten. Wie immer lag dieser merkwürdige Geruch über den holzvertäfelten dunklen Fluren. Irgendetwas zwischen schweißgetränkten alten Socken und ätzenden Reinigungsmitteln, die mit hundertprozentiger Sicherheit schon längst auf dem Index für gefährliche Umweltgifte standen.

Es war kurz vor halb sechs. Zu früh, um hier draußen im TShirt, sozusagen halb nackt, herumzurennen und zu spät, um sicher zu sein, dass noch niemand wach war. Isabell Hill, Studentin im Senior-Jahr und Betreuerin des zweiten Stockwerks, gehörte zu den Frühaufstehern und war jemand, der um diese Uhrzeit bereits gerne joggte. Julia konnte nicht verstehen, weshalb die Seniors-Studentin von der Collegeleitung überhaupt noch als Tutorin akzeptiert wurde, nachdem sie die verbotene Party am See vor drei Monaten organisiert hatte, die in dieser furchtbaren Katastrophe um Angela Finder gemündet hatte.



Aber offenbar hatte Dean Walden kein Problem damit. Vielleicht lag es auch daran, dass Isabels Eltern Dozenten am Grace waren. Julia huschte an den Aufzügen vorbei in Richtung ihres Apartments, das ganz am Ende des Flurs lag. Sie hatte nicht zum ersten Mal eine Nacht bei Chris verbracht und damit eine der strengen Hausregeln verletzt. Allerdings war es nicht der Verstoß gegen die heilige Hausordnung, der ihr Sorge bereitete. Nein, was sie echt fürchtete, war der Fakt, dass sie süchtig nach Chris’ Nähe zu sein schien. Denn im Hinterkopf schwebte immer die Angst, sie könnte einfach nur das Alleinsein nicht aushalten. Die Nächte im Tal – sie waren am schlimmsten. Wenn Dunkelheit und Stille sich verbündeten und den schrecklichen Erinnerungen an die Vergangenheit und der Panik vor der Zukunft Tür und Tor öffneten. War es wirklich Julia, die nach Mitternacht hinunter zum Apartment der Jungs schlich? Oder nicht etwa ihr früheres Ich: Laura de Vincenz? Das Mädchen, das sie gewesen war, bevor ihre Eltern so brutal ermordet worden waren – und deren alte Identität sich immer wieder den Weg an die Oberfläche suchte? Ähnlich einem Gespenst aus der Vergangenheit, das durch die nicht enden wollenden Flure alter Gemäuer huschte?

Niemand hier im College wusste, dass Julia und ihr Bruder Robert im Rahmen des deutschen Zeugenschutzprogramms ein neues Leben angefangen hatten.
Nicht einmal Chris.
Vor allem nicht Chris.
Sie musste unbedingt mit Katie über Chris reden. Nicht, dass man mit Katie wirklich hätte reden können. Es war mehr so, dass die spröde Halb-Koreanerin einfach nur zuhörte. Und wenn sie doch einmal einen Kommentar abgab, dann äußerte sie mit Sicherheit kein Verständnis, sondern allenfalls etwas wie mitleidslose Akzeptanz. »Warum beschwerst du dich dauernd über Chris?«, hatte Katie nicht nur einmal gesagt.
»Wenn er dir zu wenig spricht, dann stelle ihm Fragen. Vielleicht ist er einer von den Typen, die nur im Dialog funktionieren.« »Aber was will er wirklich von mir?«
»Wie wäre es mit Sex? Dazu braucht er nicht zu reden.
Männer reden nur, um eine Frau herumzubekommen. Meiner Meinung nach ist das der Grund, warum sie überhaupt die menschliche Sprache lernen.«

Ganz so einfach, wie Katie es schilderte, war die Sache nicht, und je stärker ihre Mitbewohnerin über Chris lästerte, desto heftiger verteidigte Julia ihn: »Aber er sagt, er liebt mich. Immer wieder!«
»Ist doch schön! Ich verstehe allerdings nicht, warum sich das aus deinem Mund so verzweifelt anhört.«
Das war meistens der Punkt, an dem Julia das Thema wechselte, denn im Grunde hatte sie keine Ahnung, warum Chris sie wieder und wieder in diese Zweifel stürzte. Vielleicht, weil es bei Kristian völlig anders gewesen war? Nein, du, Julia, warst damals völlig anders, dachte sie, und drückte die Klinke zum Apartment 213 herunter, das wie alle Vier-Zimmer-Apartments von dem langen Hauptflur abzweigte. Als sie die Tür leise hinter sich zuzog und den Vorraum durchquerte, hörte sie es in der Küche rascheln. Auch das noch! Womöglich war Debbie wieder mal mittendrin in einer ihrer Fressorgien. Als ob es nicht in einer Stunde Frühstück in der Mensa gäbe.

Julia stoppte und lauschte. Die Tür des Kühlschranks wurde geöffnet und wieder geschlossen. Dieses Mädchen litt unter einer nicht zu stillenden Sucht und damit meinte Julia nicht nur die Fresssucht, sondern eine unermessliche Neugierde, die etwas Parasitäres an sich hatte. Sie bohrte sich in das Leben der anderen, saugte sie aus und übertrug ihr Wissen von einem Studenten zum anderen. In rasanter Geschwindigkeit. Schneller, als ein Virus es vermochte.

Schon näherte sich die rundliche gedrungene Gestalt ihrer Mitbewohnerin der Glastür. Julia fiel nichts Besseres ein, als in das am nächsten liegende Zimmer zu flüchten. Schon hatte sie bereits den Türgriff in der Hand.

Katies Raum lag fast vollständig im Dunkeln. Aber eben nur fast. Denn das helle Licht des Morgens schaffte es hier und da, durch eine der Ritzen der wurmstichigen Holzläden zu dringen. Wie ihr eigener Raum war auch Katies Zimmer winzig. Die Wand links wurde komplett von einem Schrank und einem schmalen Bücherregal eingenommen, gegenüber standen das Bett und rechts der Schreibtisch. Julia tastete sich langsam nach vorne und hoffte, dass sie Katie nicht zu Tode erschreckte.

Als ob Katie etwas erschrecken könnte, schoss ihr durch den Kopf. Jedenfalls musste sie schlafen wie ein Stein, denn weder hörte Julia ein Rascheln der Bettdecke noch irgendwelche Atemgeräusche. Als hätte man den Stecker gezogen. Draußen im Vorraum hörte sie Debbies schlurfende Schritte und das Klatschen ihrer Flipflops auf dem Linoleum, dann fiel eine Tür ins Schloss.

Julia stieß in der Dunkelheit gegen etwas, das sich plötzlich bewegte. Der Schatten des alten Schaukelstuhls schwang vor und zurück. Katie hatte das hässliche Teil bei Ebay bestellt und verbrachte darin mehr Zeit als in ihrem Bett. Manchmal, wenn Julia an Katies Zimmer vorbeiging, hörte sie das ruhelose Knarzen des Stuhls. Nur eines der Dinge, die nicht zu ihrer verschlossenen Mitbewohnerin zu passen schienen, wie auch die Bilder und Fotos, mit denen sie die Wände ihres Zimmers tapeziert hatte. Katie war die Einzige, die das ungemütliche College-Zimmer mit der Holzdecke, den einfachen formlosen Möbeln und den grau gestrichenen Wänden umgeräumt hatte. Julia wich dem Schaukelstuhl aus, der immer noch hin und her schwang, und tastete sich nach vorne zum Bett. Immer noch war kein Geräusch zu hören. Kurz überlegte sie, ob sie Katie schlafen lassen sollte, aber sie war zu wach und zu aufgeputscht, um jetzt auf ihrem Bett zu sitzen und Däumchen zu drehen. Schließlich hatte Chris letzte Nacht die drei Worte gesagt: Ich liebe dich. Und Julia wusste nicht, ob sie sich darüber freuen sollte. Sie musste einfach mit jemandem darüber reden!

»Hey, Katie«, flüsterte sie.
Keine Reaktion.
Julia räusperte sich, diesmal hörbar. »Katie!«
Wieder nichts.
Mann, da half wirklich nur totale Schocktherapie. Julias Hand suchte nach der Nachttischlampe und im nächsten Moment wurde der Raum von einem grellen Licht erhellt, das sogar Julia blendete.
Aber niemand schrie empört auf und Julia verstand nun auch warum. Katies Bett war leer. Die Decke glatt gestrichen, das Kopfkissen schien unberührt. Als Julia ihre Hand unter die Decke schob, war das Laken eiskalt.
Katie schien überhaupt nicht geschlafen zu haben – zumindest nicht in ihrem eigenen Bett. Und obwohl Julias Verstand ihr sagte, dass es dafür eine ganz natürliche Erklärung geben musste, schließlich war ihr eigenes Bett diese Nacht ebenfalls unberührt geblieben, konnte sie es nicht verhindern: Wieder stiegen die Bilder der furchtbaren Nacht vor drei Monaten in ihr auf. Die Nacht, die damit geendet hatte, dass Angela Finder, eine der Senior-Studentinnen im Tal, spurlos aus ihrem Zimmer verschwunden war. Julia und die anderen hatten sie gefunden – im See. Nie würde Julia den Anblick der Leiche vergessen, deren lange Haare das Wasser wie feine Fäden durchzogen hatten.


das ist der dritte:
sorry, hab davon zu viele kleine leseproben gefunden, ich glaub, die gehören alle hintereinander, das werdet ihr dann ja sehen. ich stell mal alle rein.

Der Sturm Leseprobe
»Mann, willst du uns umbringen?« Ben rüttelte Chris von hinten
an der Schulter. »Schon mal was vom Vorwärtsgang gehört,
den man zum Anfahren einlegt?«
Chris biss die Zähne zusammen. Der Wagen war kurz vor
dem Seeufer zum Stehen gekommen, er hatte den Motor abgewürgt.
Jetzt war nur noch das nervende Quietschen der
Scheibenwischer zu hören, die stetig hin und her wedelten,
im vergeblichen Kampf gegen die Flocken, die fast waagerecht
auf die Windschutzscheibe flogen.
Reiß dich zusammen, Chris!
Er atmete tief durch und warf Julia einen Seitenblick zu.
Sie sah blass aus und vermied es, seinen Blick zu erwidern.
Er griff abrupt zum Schalthebel und wollte gerade den Motor
wieder anlassen, als Rose sich von hinten meldete. »Da ist
sie ja endlich.«
Chris warf einen Blick durch das Fenster. Durch den
Schnee erkannte er Debbies gedrungene Figur, die auf den
Wagen zustolperte. Debbie erinnerte Chris immer an einen
dieser Luftballons auf dem Jahrmarkt, die in die absurdesten
Gestalten geformt wurden. Der kurze Hals war von dem Kragen
einer dick wattierten beigen Winterjacke eingeschnürt
und Debbie hatte den vergeblichen Versuch unternommen,
durch einen silbernen Gürtel so etwas wie eine Taille zu formen.
Sie zog einen orangefarbenen Trolleykoffer hinter sich
her. Immer wieder blieben die Räder des Koffers im Kiesbelag
des Parkplatzes hängen.
Benjamin ließ das Wagenfenster herunter. Kalte Luft drang
in das Wageninnere, als er den Kopf hinausstreckte und
schrie: »Und da kommt auch Miss Wilder! Sie läuft um ihr Leben.
Sie flieht vor dem Jahrhundertsturm, der über den Ghost
hinwegzieht.«

Debbie rüttelte wie wild am Türgriff.
Zu blöd, um eine Wagentür zu öffnen, dachte Chris.
Endlich gelang es ihr und sie stürzte sich ins Auto. »Ihr
wolltet ohne mich fahren!«, schrie sie. »Stimmt’s? Ihr wolltet
mich hier oben alleine lassen. Ihr seid so gemein!«
Chris drehte sich nicht zu ihr um. Das musste er auch nicht.
Er konnte Debbie riechen. Mein Gott, womit hatte die sich nur
eingesprüht?
»Mach die Tür zu, sonst friere ich mir den Arsch ab«, knurrte er.
Die Tür schlug krachend ins Schloss und Rose, wie immer
bemüht, für Harmonie zu sorgen, sagte ruhig: »Mein Gott,
Deb, du bist eine halbe Stunde zu spät! Wo warst du?« Und
weiter: »Und wenn du schon mein Parfüm benutzt, dann bitte
sparsam. Nicht weil ich es dir nicht gönne, sondern weil
meistens weniger mehr ist.«
»Was war denn los, Chris?«, fragte Debbie hämisch. »Es
sah ja aus, als ob du direkt in den See fahren wolltest. Hättest
besser einen Automatik nehmen sollen! Oder war es Absicht?«
Chris wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als er eine
Hand auf seiner spürte. Julia! »Lass es«, formten ihre Lippen.
Chris fühlte, wie etwas in seinem Inneren sich entspannte,
als sie ihn anlächelte.
Er ließ den Motor an. Julia hatte ihm verziehen, alles würde
gut werden. Scheiß auf das Wetter, scheiß auf den Sturm,
scheiß auf den verdammten Van, scheiß auf Debbie! Vor ihnen
lagen vier freie Tage. Und alles andere konnte ihnen egal
sein. Er legte den Gang ein, trat aufs Gaspedal und ruhig glitt
der Van Richtung Ausfahrt.
Na also, dachte er und tiefe Zufriedenheit überkam ihn.
Geht doch!

Die einzige Straße, die das Grace Valley mit der Zivilisation
verband, war schmal und kurvenreich. Zwei Stunden und sie
wären in Fields, dann ging es immer geradeaus Richtung
Vancouver.
Chris’ Blick fiel in den Rückspiegel, zurück auf das College.
Mein Gott, tat das gut, diesen Ort endlich zu verlassen, und
zwar nicht nur, um in dieses Kaff Fields zu fahren.
Er sah zu Julia hinüber. Sie hatte die Augen geschlossen,
aber er erkannte an ihrer Haltung, dass der düstere Schatten
von vorhin verschwunden war.
Der Himmel war mittlerweile so dunkel, als sei die Dämmerung
bereits angebrochen. Dabei war es erst kurz nach zehn
Uhr morgens. Die Scheinwerfer wedelten hektisch hin und
her.
Chris schaltete das Nebellicht an. Im weißen Licht der
Scheinwerfer tanzten die Schneeflocken und im nächsten
Moment traf eine heftige Windböe den Wagen. Chris verstärkte
seinen Griff ums Lenkrad.
»Mein Gott, wie das schneit«, hörte Chris Julia leise neben
sich. »Fahr langsamer, Chris.«
»Keine Sorge. Wir müssen nur über den Pass, dann haben
wir die Schneefallgrenze hinter uns.«
Sein Blick ging zur Temperaturanzeige über dem Rückspiegel.
Minus fünf Grad. Und die Reifenspuren, die der Van
hinterließ, wurden sofort wieder vom Schnee bedeckt.
»Ist doch nicht schlecht, drei Tage lang in einem Hotel eingeschneit
zu sein, oder?«, sagte er.
Julia lachte neben ihm leise auf.
Chris grinste.
Alles war gut.
Sie tat ihm gut.
Er liebte sie.

Für einen kurzen Moment gab er nicht acht, bis ein Aufschrei
von Debbie seine Augen wieder auf die Straße richten
ließ. Vor ihm lag eine scharfe Kurve. Und die Fahrbahn war
rutschiger, als er geglaubt hatte.
»Chris! Pass auf!« Debbie kreischte.
»Hey, mach mal halblang. Ich habe den Wagen im Griff.«
Doch er hörte selbst, dass er nervös klang. »Wie wäre es mit
ein wenig Musik?« Er schaltete das Radio an und erkannte
sofort die Musik von Nickelback, einer seiner Lieblingsbands.
»Oh Mann, geile Musik«, hörte er von hinten Benjamin rufen.
Der Wagen durchschnitt unter den Klängen von Dark Horse
das Schneegestöber und das Wummern der Bässe verband sich
mit den Windstößen, die den Wagen trafen.
Und fast hätte er den rot-weiß gestreiften Schlagbaum an
der Collegegrenze übersehen. Die Schranke war wie immer
geschlossen. Chris trat auf die Bremse. Der Wagen wurde nur
unmerklich langsamer. Er trat das Pedal noch fester.
Diesmal schrie Julia auf. »Da vorne! Pass auf!«
»Beruhige dich doch! Es ist nur der Schlagbaum!«
»Und warum bremst du dann nicht?«, erklang wieder Debbies
hysterische Stimme von hinten.
Er hatte den Fuß noch immer auf der Bremse, der Wagen
schoss nach vorne. Er schaltete in den ersten Gang zurück
und kam erst knapp vor der Schranke zum Stehen.
»Mann, Alter«, lachte Ben, »was haben sie dir denn heute
Morgen in den Kaffee getan? Whiskey? Du fährst ja wie ein
Irrer.«
»Halt die . . .«
»Klappe! Ich weiß.«

Chris ließ das Fenster herunter, beugte sich hinaus und
drückte auf den roten Knopf der Sprechanlage.
Rauschen antwortete ihm.
»He, hier Christopher Bishop, können Sie die Schranke öffnen?«
Wieder dieses Pfeifen aus der Anlage.
»Verflucht, ist dort niemand?«
Stille.
Keine Antwort.
Ein Windstoß fegte eine Schneewolke von den Bäumen,
die ihm direkt ins Gesicht schlug.
Bens unverkennbares Lachen ertönte von der Rückbank.
»Seht ihr das?«
Niemand antwortete.
»Was ist denn mit euch los? Ist doch witzig.«
Chris schaute geradeaus. Sein Blick fiel auf das Schild am
rechten Straßenrand mit der Aufschrift EXIT . . .
Jemand hatte mit schwarzer Farbe die Buchstaben US dazugepinselt,
sodass dort nun mit roter Schrift zu lesen war:
EXITUS.
»Echt gut. Nur schade, dass die Spießer von der Verwaltung
das vermutlich sofort entfernen lassen, sobald sie zurückkommen.
Mann, warum bin ich nicht auf die Idee gekommen?
« Benjamin lachte erneut auf.
Chris hörte nicht recht hin. Warum meldete sich denn keiner?
Seine Hand lag schon auf dem Türdrücker, als er ein
Knacken aus der Sprechanlage hörte.
»Machen Sie endlich die Schranke auf!«
Und eine Antwort: »Wer spricht?«
»Christopher Bishop.«
»He, Bishop, ich dachte, Sie wären schon lange weg!«
»Öffnen Sie die Schranke!«
Gott, dieser ätzende Akzent! Und dieses überhebliche Lachen!
Das war doch dieser Steve, oder?
»Gerade noch Glück gehabt, bevor wir hier oben alles
dichtmachen.«
Langsam hob sich der Schlagbaum. Chris schloss das Fenster
und hörte noch, wie jemand am anderen Ende sagte: »Und
grüßen Sie Julia. Sagen Sie ihr, sie soll an mich denken,
wenn . . .«
»Idiot«, knurrte Chris und trat aufs Gas. Der Wagen schoss
nach vorne.

Bis zum Pass war es noch ein Stück. Die Scheibenwischer waren
auf höchste Stufe gestellt und doch schafften sie es kaum,
die Scheibe frei zu halten. Die Temperatur fiel, je höher sie
kamen, und Chris’ ganze Konzentration war gefordert, damit
der Wagen nicht aus den Serpentinen schleuderte. Obwohl er
inzwischen nicht schneller als fünfzig Stundenkilometer
fuhr, schien der Wagen die Straße entlangzurasen.
Und zum ersten Mal dachte Chris daran, dass der Sturm sie
doch noch hier oben erwischen konnte. Die Straße war übersät
von kleinen Ästen und Zweigen, die der Wind von den
Bäumen gefegt hatte. Es fehlte nur noch, dass ein umgestürzter
Stamm ihnen den Weg versperrte. Schon einmal, im Frühjahr,
war das passiert und das College war zwei Tage von der
Außenwelt abgeschnitten gewesen.
Und das Schlimmste war: Chris begann langsam, daran zu
zweifeln, ob es aufhören würde zu schneien, wenn sie den
Pass hinter sich hatten. Was bedeutete, dass sie noch mehr
Zeit verlieren würden.
Kostbare Zeit für Julia und ihn allein.
Die Scheinwerfer drangen nicht einmal fünf Meter durch
die trübe Dämmerung. In ihrem Licht konnte man lediglich
den Wirbel der Schneeflocken sehen, die auf die Windschutzscheibe
trafen. In rasender Geschwindigkeit, unaufhörlich,
ein Strudel aus weißen Kristallen, der jeden in seinen Bann
zog, der zu lange hinsah.
Eine Schneise im Wald tauchte auf und sie passierten eine
kleine Brücke. Das Auto wurde wieder von einer Windböe getroffen
und Chris musste das Lenkrad fest umklammern, damit
es nicht ausbrach.
Im Wagen herrschte tiefes Schweigen. Hatte er selbst das
Radio abgedreht oder war es Julia gewesen?
Warum, verdammt noch mal, konnte nicht irgendeiner etwas
sagen? Irgendetwas, um diese Stille zu durchbrechen. Ein
einziges Wort würde genügen, um dieser seltsamen Stimmung
ein Ende zu bereiten, die vom Schneetreiben, dem Pfeifen
des Windes, dem Knarren der Bäume und dem Quietschen
der Wischblätter beherrscht wurde.
Endlich! Da vorne war der Pass. Die Scheinwerfer trafen
das Schild White Escape. Der Motor dröhnte, als Chris Vollgas
gab, und dann hatten sie das Ende der Steigung erreicht.
Danach ging es bergab. Ein Aufatmen ging durch den Wagen.
»Wir haben es geschafft«, sagte Chris. Er beschleunigte.
»Noch sind wir nicht unten«, erwiderte Rose ängstlich.
Rose war an der Ostküste aufgewachsen und so etwas wie einen
Schneesturm in den Bergen kannte sie allenfalls aus den
Fernsehnachrichten. Aber Chris musste zugeben, selbst er
war noch nie bei so schlechtem Wetter unterwegs gewesen.
»Sag mal, Julia, wann hast du eigentlich zum letzten Mal
deine Mails gecheckt?« Debbies Stimme hatte wieder einmal
diesen lauernden Unterton, der einen zur Raserei bringen
konnte.«
»Warum? Hast du mir eine geschickt?«, gab Julia irritiert
zurück.
»Ich, nein, warum sollte ich dir mailen . . .« Debbie lachte
schrill. »Wir wohnen ja schließlich zusammen Ich wollte nur
wissen, ob Brandon uns vielleicht schon die neue Literaturliste
geschickt hat . . . ach ja, und kennt ihr eigentlich schon diesen
neuen Wachmann?«
»Welchen?«, fragte Rose.
»So um die fünfzig. Liebes Gesicht.«
»Ted Baker?«, fragte Julia erstaunt. »Liebes Gesicht?« Sie
lachte. »Also, ich weiß nicht, er hat ziemlich nach Alkohol
gestunken. Was ist mit ihm?«
»Er . . .«
»Was denn?«, unterbrach sie Ben. »Wollte er dir an die Wäsche?
Trägst du überhaupt Wäsche, Debbie?«
»Du bist so gemein.«
Mein Gott, dieses Mädchen gehörte wirklich auf die Couch
eines Psychiaters, dachte Chris. Und nicht auf die Rückbank
meines Autos. Wieder gab er Gas.
»Chris! Da vorn!«

Julias Aufschrei war so laut, dass Chris ihr instinktiv den
Kopf zuwandte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie
starrte geradeaus.
Was zum Teufel . . .
Und dann sah er es auch. Weit voraus tauchte ein Schatten
zwischen den Bäumen auf. Vielleicht hundert Meter entfernt.
Achtzig?
Siebzig?
Der Van raste direkt darauf zu.
Was immer sich da vorne mitten auf der Fahrbahn befand,
es rührte sich nicht von der Stelle. Oder doch? Chris konnte es
in diesem Drecksschnee nicht genau erkennen.
»Fahr langsamer!«, schrie nun auch Rose.
Wieder trat Chris auf die Bremsen.
Doch der Wagen fand im Schnee keinen Halt.
Chris trat fest durch, aber . . . Fuck! Keine Reaktion. Der
Van wurde nicht langsamer. Die Reifen rutschten über die
verschneite Straße. Seine schwitzenden Hände umklammerten
das Lenkrad.

Die Augen starr auf die Straße gerichtet, versuchte er, das
Tempo zu drosseln, doch der Wagen geriet kurz ins Schleudern
und schlitterte die Serpentine hinunter.
Er bekam das Auto nicht unter Kontrolle! Die Straße hatte
hier ein Gefälle von über zwölf Prozent und der Wagen gewann
immer mehr an Geschwindigkeit. Wie konnte er den
Van nur zum Stehen bringen, wenn die Bremsen nicht griffen?
Er versuchte es mit Gegensteuern, doch die Reifen
kreischten auf und der Wagen schaukelte gefährlich.
Sein Magen zog sich zusammen, als er Julia seinen Namen
rufen hörte. »Chris!«
Und das Gefühl der Bedrohung verstärkte sich. Chris hatte
Angst. Richtig Angst. Und das kam so gut wie nie vor. Er ließ
es einfach nicht zu. Wenn Debbie nur aufhören würde, zu
schluchzen und ihn anzuschreien: »Bremse doch, Chris!
Bremse!«
Als ob das viel nutzen würde, wenn die Räder durchdrehten!
Der Rückwärtsgang!
Leg den Rückwärtsgang ein!
Er trat auf die Kupplung und riss den Schaltknüppel nach
hinten. Der Wagen ging für einen kurzen Moment nach oben,
um dann weiterzurollen.
Wie gefährlich die Lage war, wurde ihm spätestens jetzt
klar, als er Benjamin brüllen hörte: »Mann, zieh die Handbremse,
du Idiot!«
Mit aller Kraft riss er an der Handbremse. Die Reifen drehten
durch, der Wagen geriet ins Schleudern und drehte sich
einmal um die eigene Achse. Und dann sah Chris die Bäume
auf sich zukommen.
Im Moment des Aufpralls sah er den Schatten, der im Wald
verschwand, als hätte der nächste Windstoß ihn einfach von
der Straße gefegt.

Chris wurde zuerst nach vorne, dann zurückgeschleudert.
Das alles war so unwirklich, als sähe er sich von irgendwo
dort oben zu.
Und dann herrschte Stille im Wagen bis auf das knatternde
Geräusch des Motors. Und immer wieder knallte der Wind gegen
die Wagentüren.
Ein paar wenige Sekunden lang saß Chris wie erstarrt da.
Wie hatte das passieren können? Noch nie hatte er die Kontrolle
über ein Auto verloren. Er spürte, wie sein Körper die
Angst ausschwitzte. Ihm war schwindelig oder waren es nur
die hohen Bäume, die über ihm hin und her schwankten? Fast
schien es so, als ob sie sich über ihn lustig machen wollten.
Dazu das Quietschen der hektisch hin und her wedelnden
Scheibenwischer. Und von allen Seiten flogen Millionen, ja
Milliarden von Schneeflocken auf ihn zu – wie Ungeziefer. Er
hätte am liebsten um sich geschlagen und erst Bens Stimme
riss ihn aus diesen absurden Gedanken.
»Riecht ihr das auch?«
Im nächsten Augenblick begriff Chris.
Benzin.
Es roch nach Benzin.
Und dann sah er den Rauch, der aus der Motorhaube quoll
und sich mit dem Schnee vermischte, der vom Himmel fiel
und augenblicklich in der glühenden Hitze der Motorhaube
schmolz.
Raus.
Sie mussten so schnell wie möglich raus. Sein Blick ging
zur Seite, wo Julia leichenblass dasaß und sich nicht regte.
Gott sei Dank schien ihr nichts passiert zu sein, zumindest
konnte Chris keine Verletzung erkennen.
»Mach die Tür auf und spring!«, schrie er. »Spring einfach,
Julia!«
Und als handele es sich um eine Szene aus irgendeinem
Horror-Fantasy-Manga, schlugen plötzlich Flammen vorne
aus der Motorhaube.

Chris hielt Julias Finger fest umklammert, während er mit
der linken Hand die Tür aufstieß. Eiskalte Luft drang in das
Wageninnere. Dicke weiße Flocken schlugen ihm ins Gesicht.
Er zog Julia mit sich. Sie blieb am Lenkrad hängen, doch er
kannte kein Erbarmen. »Raus hier! Sofort!«
Sie ließ sich ohne Widerspruch über den Fahrersitz ziehen.
Hätte sie nur geschrien, Chris hätte sich besser gefühlt. Aber
dieser lautlose Schock ließ auch seine Angst größer werden.
Und dann lag sie im Schnee neben ihm. Sie mussten weg
vom Wagen. Er musste Julia in Sicherheit bringen. Ohne sich
um die anderen zu kümmern, sprang er auf, zog sie am Arm
hoch und stolperte durch den tiefen Schnee, bis er ihren Widerstand
fühlte.
»Bleib stehen, Chris!«, hörte er sie schreien.
»Nein! Das ist zu gefährlich! Komm!«
»Aber die anderen! Was ist mit den anderen?«
Es war Chris nicht egal, was mit ihnen passierte, aber verdammt,
jetzt ging es darum, dass jeder sein eigenes Leben in
Sicherheit brachte. Er warf einen Blick über Julias Schulter
und konnte erkennen, dass Rose und Benjamin es ebenfalls
geschafft hatten, ins Freie zu gelangen.
»Lauft!«, rief er ihnen zu, während er entsetzt verfolgte, wie
Flammen sich in Sekundenschnelle durch die Motorhaube
des Vans fraßen und das Blech sich bereits unter der Hitze
aufblähte. Verflucht, warum rührten sie sich nicht?
»Das Ding kann jeden Moment explodieren!«
»Es ist Debbie, Chris!«, schrie Julia. »Sie ist noch im Wagen.«
Dann rannte sie los, und noch ehe er reagieren konnte, war
sie schon beim Van angekommen.
Debbie musste doch nur die Tür öffnen und herausspringen!
Er stieß einen Fluch aus, ehe er kehrtmachte und zurück
zum Wagen sprintete, der mit geneigter Motorhaube halb auf
einer Böschung zum Stehen gekommen war, gebremst durch
einen auf dem Boden liegenden Baumstamm. Die grellen
Schweinwerfer des Vans leuchteten gespenstisch zwischen
den Bäumen hindurch und in ihrem Schein konnte Chris
Debbies leichenblasses Gesicht erkennen und eine Blutspur,
die die Scheibe hinunterlief. Debbie musste bei dem heftigen
Aufprall gegen das Seitenfenster geschleudert worden sein.
Sie rührte sich nicht.
Die Angst, die in Chris hochstieg, war so groß, dass ihm
schlecht wurde. Er wäre schuld, wenn . . . Oh Gott, sie war
doch nicht . . . tot?
Er war verantwortlich. Er hatte die Kontrolle über den Wagen
verloren, hatte die Gefahr des Schnees nicht richtig eingeschätzt,
war einfach zu ungeduldig gewesen, wegzukommen.
»Sie atmet«, schrie Rose. »Ich glaube, sie ist nur ohnmächtig.
Aber sie kommt da nicht alleine raus.«
Chris erkannte, dass die Tür hinter dem Beifahrersitz eingeklemmt
war. Noch immer schlugen Flammen aus der Motorhaube
und ein seltsames unheimliches Zischen war zu hören.
Wasser rann seine Stirn herunter. Geschmolzener Schnee
oder Schweiß? Egal. Die Erleichterung, dass Debbie nur ohnmächtig
war, versetzte ihm einen Adrenalinstoß.

»Ben, hilf mir!« Er beugte er sich hinter dem Fahrersitz in
das Innere des Wagens, packte Debbie unter den Armen und
zog. Mann, ihr Körper war kaum zu bewegen.
»Verdammt, ist das eng hier!« Chris quetschte sich zwischen
Rückbank und Lehne des Fahrersitzes und dann schaffte
er es irgendwie, Debbie so zu drehen, dass sie auf der Rückbank
zum Liegen kam.
»Benjamin, komm her! Nimm ihre Füße und zieh sie langsam
raus!«
»Oh Mann, das ist echt gefährlich.« Benjamin klang jetzt
mehr als nur nervös. »Der Wagen dampft wie ein verflucht alter
Heizkessel.«
»Dann beeil dich!«
Und schließlich bewegte sich Debbies schlaffer Körper tatsächlich.
Ihr Kopf schleifte auf dem Rücksitz. Chris hob ihn in
die Höhe und gemeinsam mit Ben schaffte er es, das bewusstlose
Mädchen aus dem Wagen zu schaffen.
Als ein Schwall kalter Schnee, den der Wind von den Bäumen
fegte, Debbies Gesicht traf, kam sie zu sich.
Julia beugte sich über sie und rief: »Tut dir etwas weh?«
Debbie starrte sie verwirrt an.
»Debbie! Tut dir irgendetwas weh?«
Doch statt einer Antwort fragte Debbie mit aufgerissenen
Augen: »Was hat er getan, Julia? Erzählst du es mir?«
Aus den Augenwinkeln sah Chris, wie die Flammen die
Frontscheibe hochschlugen. Er hörte es knistern und wusste,
sie konnte jeden Moment unter der Hitze zerbersten.
Er riss Julia am Arm nach oben und schrie: »Lauf!«
Dann nahm er Debbie unter den Achseln und schleifte sie
durch den Schnee, so weit weg vom Wagen, wie es ging. Sie
waren nicht weiter als zehn Meter entfernt, als die Frontscheibe
in Tausende von Splittern zersprang, die in die Luft
geschleudert wurden und sich mit den Schneeflocken vermischten.
Glassplitter flimmerten zwischen den Schneekristallen
und schwebten langsam nach unten. Und über allem
schimmerte rötlich der Schein des Feuers. Flammen schossen
in den Himmel. Schlauchteile, Ventile, Schrauben, geschmolzene
Plastikteile, verkohlte Kabel flogen durch die Luft, fielen
zu Boden und Sekunden später wurden sie vom Schnee verschluckt,
der so dicht fiel, als würde er einfach vom Himmel
gekippt.
Und dann war es vorbei und das einzige Geräusch in der
Stille des Waldes war Debbies Schluchzen, das langsam in
ein Heulen ging, als bräche ein Rudel Wölfe durch die Bäume.
Stumm sahen sie zu, wie der Motorraum des Vans ausbrannte.


und hier der bisher letzte teil, der vierte:
leider ist es bei diesem auch so, wie beim dritten...:((
Es war Benjamin.
Dunkle Ringe lagen unter seinen Augen und die Farbe seines Gesichts konnte man nur noch als leichenfahl bezeichnen. Er zitterte am ganzen Körper und immer wieder beugte er sich vor, die Hände auf dem Magen, als müsse er sich jeden Moment übergeben. Er hatte sich nicht umgezogen, und wenn sie ihn nicht gekannt hätte, dann hätte sie vermutet, er käme direkt aus der Gosse.

Jay Bauer schaute ihn kopfschüttelnd an, um sich dann wieder seinem Vortrag zuzuwenden, doch er kam nicht dazu. Statt sich irgendwo einen Platz zu suchen, stellte sich Benjamin breitbeinig in den Mittelgang und wandte sich an die Studenten.
»Fox, sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Wenn Sie schon zu spät kommen, setzen Sie sich gefälligst.« Der Dozent trat einen Schritt nach vorn, doch Benjamin kümmerte sich nicht um ihn.
»Hört mal alle her!« Benjamin wartete, bis das Getuschel verstummte. »Und merkt euch meine Worte: Wenn einer von euch in meine Nähe kommt, werde ich ihn nicht verschonen!
Versteht ihr? Keinen von euch!« Er hob drohend die Faust. »Ihr – ihr alle – ihr geht mir am Arsch vorbei!«

Machte er Spaß? War das nur ein Scherz? Vielleicht hatte er irgendwo eine geheime Kamera versteckt und filmte ihre Reaktionen auf sein Verhalten. Vielleicht inszenierte er auch einfach nur so etwas wie eine Realityshow. Zuzutrauen wäre es ihm, aber wie er nun den Mittelgang verließ und sich durch die Reihen der Studenten zu seinem Freund David durchkämpfte, sah es verflucht dramatisch und echt aus. Ein Fetzen Papier fiel aus seiner Hand. Er bückte sich, um es aufzuheben. Dabei verlor er das Gleichgewicht, rutschte zu Boden und rappelte sich wieder auf.
Aus den Augenwinkeln nahm Katie wahr, wie Jay Bauer nach seinem Handy griff. Vermutlich rief er die Security. Benjamin hatte David fast erreicht. »Was glaubt ihr, wer ihr seid? Was glaubt ihr, was ihr wert seid?« Er sprach noch nicht einmal laut, aber im Saal hätte man eine Stecknadel fallen hören können. »Nichts.«
David sprang auf und packte Benjamin an der Schulter. »Hör auf, Benjamin«, sagte er laut. »Komm, ich bring dich raus.«
Doch Ben holte aus und schlug seinem Freund ohne Vorwarnung ins Gesicht. Der Schlag war so kräftig, dass David schwankte und Benjamin losließ. Im nächsten Moment schoss das Blut aus seiner Nase. Einige Mädchen kreischten. Raserei. Das war ein Wort, das Katie nur aus Büchern kannte, aber es traf zu hundert Prozent auf Benjamin zu. Er schien nicht mehr er selbst zu sein. »Sand, Sand, überall Sand im Himmel . . .« Er fasste sich an den Hals und holte schwer atmend Luft. »Jeder Stern«, rief er, »jeder dieser Fuck-Sterne dort draußen, versteht ihr, ist nicht größer als ein Sandkorn und wir alle gehen unter. Wir ersticken in diesen Wüsten auf diesem beschissenen Planeten.
Wahrlich, ich sage euch.« Benjamin hob die Hand und hielt kurz inne. Seltsamerweise war es dieser Anblick, der Katie endgültig Angst einjagte. Wie Benjamin da inmitten der Studenten stand und laut rief: »Wahrlich, ich sage euch.«
»Er soll aufhören, Chris.« Julias Stimme zitterte. »Wir müssen etwas unternehmen.«
»Ja«, erwiderte Chris, aber er rührte sich nicht. Ben wandte abrupt den Kopf und starrte in ihre Richtung. Dann setzte er sich wieder in Bewegung. Diesmal brauchte er sich nicht durch die Studenten zu drängen, jeder machte freiwillig Platz.
Jay Bauer griff abermals nach dem Handy, den Blick auf Ben gerichtet. »Wo bleibt denn der verdammte Sicherheitsdienst?
«, rief er, nachdem er offenbar eine Verbindung hatte.
»Hier im R 13 dreht ein Student durch und ich kann nicht garantieren,
dass das kein Amoklauf ist.«
Benjamin beachtete ihn gar nicht. Er hatte wieder den Mittelgang erreicht und taumelte die Stufen herunter, bis er das Ende der Treppe erreichte. Er trat vorne ans Pult, und während er sich vor Schmerzen – oder vielleicht war es auch einfach nur die pure Verzweiflung – krümmte, schrie er weiter:
»Oh ja, wir sind alle auf der großen Suche. Jeder von euch.«

Seine Hand schnellte nach vorne und er deutete in die Reihen.
»Du. Du. Und du. Aber ich – ich als Einziger suche nach der Wahrheit. Und nein, sie ist nicht das Licht, diese verfickte Wahrheit. Sie ist dunkel. Sie ist Nacht. Und deswegen wird keiner von euch verschont.«
Es war Chris, der als Nächster versuchte, Ben zur Vernunft zu bringen.
»He, Alter, krieg dich wieder ein. Dir geht’s nicht gut, aber das ist kein Grund, uns alle hier zu beschimpfen. David hat recht. Wir gehen jetzt einfach zu uns ins Apartment und reden über alles, okay?«
Doch Benjamin reagierte nicht. Stattdessen fiel sein Blick auf Katie. Er machte vorsichtig einige Schritte, den Blick auf den Boden gerichtet.
»Siehst du das auch? Er atmet oder? Der Boden atmet.«
Ganz plötzlich war seine Stimmung wieder umgeschlagen. Er bückte sich, begann seine Schuhe auszuziehen und dann kam er die Stufen hoch, bis er direkt vor ihr stand. Julia stieß einen warnenden Laut aus, aber Katie schüttelte den Kopf. »Schon gut«, sagte sie. Sie hatte keine Angst. Das, was sie in Bens Augen las, war weniger Wut, als Verzweiflung und Panik. Er hatte Ähnlichkeit mit einem Tier, das sich gegen seine Angreifer wehrt. Aber Benjamins Feind war unsichtbar. Er kämpfte ganz offensichtlich gegen Mächte, die nur er kannte.
Aus nächster Nähe sah er noch fürchterlicher aus als vorhin. Und er stank immer noch erbärmlich. Sein Haar stand wild und wirr vom Kopf ab und in einigen Strähnen klebte etwas Grünliches. Etwas, das Katie nicht anders interpretieren konnte, als dass er sich erbrochen hatte. Und er schwitzte fürchterlich.
»Katie. Katie. Du musst mit mir gehen.«
»Wohin?«
Sein flackernder Blick jagte über die Sitzreihen hinüber zu den Fenstern. »Hoch. Hoch auf den Ghost.«
Katie holte tief Luft. Tu einfach so, als wäre er normal. Nimm ihn ernst. Tu so, als sei sein Wahnsinn nicht vorhanden. Lass ihn spüren, dass du dich nicht vor ihm fürchtest. »Kein Problem, Ben. Sobald der Schnee dort oben verschwunden ist, brechen wir auf.«
Für eine Sekunde schien Benjamin sich tatsächlich zu beruhigen.
»Wir fliegen oder? Wir fliegen auf den Ghost.«
»Wenn du willst.«
»Ich muss ihn finden, verstehst du?«
»Wen denn, Ben?«
Er hob die zitternden Hände, presste sie auf seine Ohren und starrte verzweifelt auf ihren Mund, als versuche er vergeblich zu verstehen, was sie sagte.
»Paul Forster. Bring mich zu ihm.« Seine Stimme überschlug sich. »Er liegt dort oben. In einer Höhle aus Eis. Höhlen . . . überall. Er verfolgt mich. Und . . . sie.« Die Stille im Vorlesungssaal hätte man schneiden können. Katie sah, wie die Pupillen seiner Augen verschwanden und nur noch das Weiße zu erkennen war.
»Du wirst mir . . .« Er keuchte, schien keine Luft zu bekommen.
». . . helfen, oder?« Ben griff nach ihrer Hand und ließ sie nicht mehr los.

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BADABUUUUM, das was oben steh is mein beitrag, MEINER!!!:DD

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ICH LIEBE DICH, MEIN HÜBSCHER<33


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Tal
BeitragVerfasst: 05.07.2011, 18:15 
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